Ölkur, Ölziehen, Ölkauen – Was hat es damit auf sich?

Für manche Menschen bereits so selbstverständlich wie das tägliche Zähneputzen oder die morgendliche Dusche: Ölziehen! Was auf den ersten Blick wie ein neuer Wellnesstrend erscheint ist in Wahrheit Teil einer jahrtausendealten Gesundheitslehre. Das Ölziehen, auch Oil-pulling genannt, ist eine alternativmedizinische, ayurvedische Methode, bei der Du Deinen Mund mit Pflanzenölen spülst. Dies soll dem Mund Giftstoffe entziehen und viele Krankheiten heilen oder lindern. Ölziehen leistet nicht nur einen großen Beitrag zu Deiner Mundhygiene, sondern soll sogar den gesamten Organismus entgiften. Auch wenn ein großflächiger Nachweis einer positiven Wirkung bisher nicht vorliegt, doch angeblich halb Hollywood auf den Detox Trend der Ölziehkuren schwört, gehen wir der Sache auf den Grund – ähh... dem Öl auf die Spur.

Wie wirkt Ölziehen?

Auch wenn dieser Beauty- und Gesundheitstipp zunächst absonderlich klingt, erobert dieser gerade den Westen. Die einfache Methode des Ölziehens wurde durch Dr. F. Karach, Sprecher auf der Tagung des Verbandes der Onkologen und Bakteriologen an der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in Westeuropa bekannt. Die Wirkung des Heilverfahrens entsteht nach Ihm durch die intensive Bewegung von Sonnenblumenöl in der Mundhöhle. Durch das Hin- und Herbewegen des Öls werden schädliche Bakterien in Deiner Mundhöhle abgetötet. Das Zahnfleisch wird massiert, wodurch es besser durchblutet wird und sich wieder enger um die Zähne legt. Zahnbelag wird reduziert, sowie Giftstoffe und Bakterien aus Deinem Mundraum entzogen. Mundgeruch, Karies und Parodontose wird vorgebeugt. Und Nebenwirkungen? Die gibt es kaum, doch sollte man sich im Vorfeld durchaus informieren.

Wie ziehe ich effektiv Öl?

Da sich über Nacht viele Toxine, Bakterien und Krankheitserreger in Deinem Mundraum ansammeln, ziehst Du das Öl idealerweise morgens, gleich nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen und noch vor dem Zähneputzen. Dazu einfach einen Esslöffel von dem Öl Deiner Wahl in den Mund nehmen und hin und her bewegen, saugen und durch die Zähne ziehen, bis sich das Öl eine weißlichere Farbe annimmt. Du kannst auch kurze Pausen einlegen, um dem Öl die Gelegenheit zu geben in die Schleimhäute einzuwirken. Nimm Dir Zeit dafür, da das Öl mindestens 15 Minuten braucht, um alle Giftstoffe und Bakterien im Mund zu sammeln. Aus diesem Grund solltest Du das Öl auch auf keinen Fall schlucken oder damit gurgeln! Spucke es, wenn du fertig bist, am ehesten in ein Küchen- oder Kosmetiktuch (und entsorge es im Hausmüll) und nicht ins Waschbecken, da es im Abflussrohr härtet und so das Rohr verstopfen kann. Spüle Deinen Mund im Anschluss mit warmem Wasser aus und putze Deine Zähne. Damit sich eine bestmögliche und gesundheitsfördernde Wirkung entfalten kann, sollte die Anwendung über mehrere Wochen durchgeführt werden, oder besser, ein fester Bestandteil Deiner Morgenroutine werden!

Gegen was hilft es?

Erfahrungsberichten zu Folge helfen Ölkuren gegen eine Vielzahl von Beschwerden. Für Dich haben wir einige hier aufgelistet:

Welche Öle sind geeignet?

Grundsätzlich kann jedes Öl zum Ölziehen verwendet werden, z. B. haushaltsübliches Speiseöl, wie Sonnenblumenöl oder Olivenöl. Von vielen Heilpraktikern wird Kokosöl empfohlen, doch vor allem Hanföl ist dank seiner zahlreichen positiven Eigenschaften bestens geeignet. Hier ein paar Optionen für Dich:

1. Sesamöl – Die klassisch-ayurvedische Variante

Sesam ist eine der ältesten Ölsaaten der Welt. Ursprünglich aus Ostafrika breitete er sich schnell nach Indien, China und Lateinamerika aus. Es ist eine der fettreichsten Ölpflanzen der Welt und das Mittel der Wahl im traditionellen, indischen Ayurveda. Es hat die Eigenschaft am tiefsten von allen Ölen in das Gewebe im Mundraum einzudringen und somit am effektivsten den Abbau von schädlichen Stoffen zu fördern. Speziell bei Zahnfleischentzündungen und Parodontose kann Dir dieses Öl sehr helfen. Reich an Mineralstoffen, Spurenelementen, Lecithin und Cholin enthält es darüber hinaus viel Kalzium und hat eine stark antioxidative Wirkung. Es wirkt sich sowohl positiv auf die Herztätigkeit als auch auf Blutgerinnung und den Cholesterinspiegel aus.

2. Leinöl – Das Omega-3-Kraftpaket

Sowohl für die Küche als auch zum Ölziehen sollte nur natives bzw. kaltgepresstes Leinöl verwendet werden. Es ist aufgrund seines hohen Omega-3-Fettsäuren-Gehalts insgesamt gut bei Herz-Kreislaufbeschwerden und für die Gehirnfunktion. Auch soll Leinöl gegen Diabetes helfen, da es den Blutzuckerspiegel beeinflussen kann. Im Mund- und Rachenbereich wirkt das Öl besonders heilend: In der Volksmedizin wurde das Öl unter anderem bei Asthma, Husten, Bronchitis und Heiserkeit eingesetzt. Wenn Dir der herbe Geschmack des Leinöls zu stark ist, kannst Du es 1:1 mit einem Öl deiner Wahl, z. B. Kokosöl, mischen!

3. Kokosöl – Der Geschmackssieger

Natives Kokosöl eignet sich hervorragend zum Ölziehen. Einerseits wegen seines angenehmen Geschmacks, andererseits, weil es starke antibakterielle Eigenschaften hat und Deiner Mundflora somit besonders guttut. Du erkennst schonend verarbeitetes Kokosöl an seiner Farbe: Es ist immer weiß! Erhitztes Kokosöl verrät sich durch eine leichte Gelbfärbung, die dabei entsteht, wenn der natürlich enthaltene Zucker des Fruchtfleischs durch Erhitzen karamellisiert. Natürliches Kokosnuss-Öl ist reich an Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen (z. B. allen B-Vitaminen und Vitamin E) und Aminosäuren. Bio-zertifiziert ist es besonders hochwertig und geschmacklich ein ganz klarer Sieger – nicht unwichtig, wenn man es 15 Minuten im Mund behalten soll!

4. Hanföl – Eines der wertvollsten pflanzlichen Öle

Immer mehr Menschen wissen die Vorteile dieses gesunden, entzündungshemmenden Pflanzenöls zu schätzen. Dabei wirkt es nicht wie gemeinhin gedacht berauschend, denn bei gerade einmal 4mg THC pro Kilogramm, müssten das Öl für einen Effekt literweise getrunken werden. Das aus Hanfsamen gepresste Öl hat eine Vielzahl positiver Eigenschaften, die der Gesundheit zu Gute kommen und insbesondere bei Hautproblemen eingesetzt werden können. Hochwertiges, kaltgespresstes Hanföl hat eine helle bis dunkelgrüne Farbe, wobei sich der Geschmack durch eine leicht nussige Note auszeichnet. Umso dunkler das Öl, umso stärker sein Geschmack.

5. Mundziehöle – Die Mischung macht‘s

Statt einfachen Pflanzenölen kann auch ein spezielles Mundziehöl zum Ölziehen verwendet werden. Da vor hunderten Jahren unser Mundraum weit weniger belastet war, es keinen raffinierten Zucker gab und unsere Lebensmittel generell weniger bearbeitet waren, können heute zahlreiche Argumente für den Einsatz eines speziellen Mundziehöls sprechen. Die Kombination verschiedener Öle mit ätherischen Essenzen, kann eine ganzheitliche Wirkungsweise fördern. Gerade im Bereich Mundhygiene können Mixturen Sinn machen: Thymian wirkt gegen Zahnfleischentzündungen und Halserkrankungen. Myrrhe beugt Parodontose und Zahnfleischbluten vor und Wacholder verleiht frischen Atem. Niaouli ist zahnfleischstärkend und keimreduzierend und Nelke hilft gegen Zahnschmerzen und Zahnfleischschwellungen.

Gestalte Dir Deine individuelle Ölkur

Du hast ein bestimmtes Beschwerdebild? Kein Problem, Du kannst Deine Anwendung individuell gestalten: Füge deinem Öl einfach ein weiteres (ätherisches) Öl hinzu! Hier ein paar Beispiele:

  • Anis und Fenchel helfen z. B. bei Atemwegsbeschwerden und beruhigen Deine Schleimhäute,
  • Lavendel hilft gegen Nervosität und entspannt,
  • Pfefferminze belebt und wirkt Wunder bei Kopfschmerzen und
  • Teebaumöl desinfiziert und hilft gegen Entzündungen.

Informiere Dich, was die Heilung Deiner Beschwerden am besten unterstützt und kreiere Dir im Vorfeld Deine Ölmischung, die Du über die Dauer der Kur hinweg verwendest. Auf eine Menge von 100ml können etwa 3-5 Tropfen eines weiteren Öls hinzugegeben werden. Bei einer Menge von 500ml reichen jedoch 12-15 Tropfen für eine effektive Anwendung. Beachte bei Aromaölen jedoch: weniger ist mehr!

Dein Öl - Deine Routine

Zu Beginn kann es große Überwindung kosten, am frühen Morgen mehrere Minuten einen Löffel Öl in den Mund zu nehmen. Immerhin nehmen wir normalerweise nur kleine Mengen Öl zu uns – und diese meist im Salat oder an Gebratenem. Da hilft auch die Aussicht nicht, dass das Ritual täglich morgens auf nüchternen Magen angewendet werden soll. Aber wir können Dich trösten, so geht es fast jedem, der neu mit dem Ölziehen beginnt. Wähle in jedem Fall ein Öl, dass Du besonders gerne magst und beginne wahlweise mit einer kleineren Ölmenge. Auch ein Teelöffel kann schon eine hervorragende Wirkung haben und helfen zu entgiften. Sowie Du mit einer kleineren Menge beginnst, kannst Du auch mit einem kürzeren Zeitraum anfangen. Steigere Menge und Zeit einfach so wie Du dich wohlfühlst, denn: Ölziehen soll Spaß machen und angenehm sein!

Hier gibt's weitere Themen: